March 2015



Wien, 6. März 2015. Diagnose und Behandlung von Prostatakrebs müssen überdacht und neu definiert werden, zumindest werden das die Vortragenden am European Congress of Radiology (ECR) in einer Session zu MRT-geführten Interventionen an der Prostata intensiv diskutieren. Der Leiter der Session, Anwar R. Padhani, Oberarzt am Paul Strickland Scanner Centre des Mount Vernon Hospital und Professor am Institute of Cancer Research in London, erklärt, warum er diese Diskussion für unabdingbar hält.

„Die Zugangsweise zur Prostatakrebs Behandlung und Therapie ist kontrovers und polarisiert. Serum PSA Werte können falschen Alarm bedeuten oder geben eine falsche Gewissheit, während Biopsien systematisch sind, aber nicht gezielt, und die Krebsaggressivität in 20–30% der Fälle unterschätzen. Die Diagnostikmethoden, die uns zurzeit zur Verfügung stehen, bringen eine unbefriedigende Leistung, wenn es darum geht, zwischen nicht aggressiven Erkrankungen und bösartigem Krebs zu unterscheiden“, so Padhani.

Unter Anwendung der derzeitigen Methoden werden klinisch indolente Krebserkrankungen oft zufällig entdeckt, signifikante Läsionen übersehen und relevante Krebsfunde fälschlicherweise als unwichtig klassifiziert. Als Resultat unterziehen sich Männer einer Behandlung der gesamten Drüse, als Folge einer Krebserkrankung, die ihr Leben nicht beeinflussen würde, mit Konsequenzen durch den Eingriff, wie Inkontinenz und Impotenz, die dies sehr wohl tun und darüber hinaus kostspielig sind.

„Männer mit Prostatakrebs sind sowohl unter- als auch überdiagnostiziert, sie sind zu viel und zu wenig behandelt. Es ist ein völliges Durcheinander. Hier sind rasche Verbesserungen nötig und die Bildgebung ist der Weg dorthin“, so Padhani.

Es ist unumgänglich, den bösartigen Krebs innerhalb der Drüse genau zu erkennen, zu definieren und abzugrenzen. Der Einsatz von neuen Ultraschalltechniken und Multi-Parameter MRT während der Biopsie ermöglicht dies, und nun müssen RadiologInnen lernen, das meiste aus diesen Möglichkeiten zu machen.

Die Session am Freitag wird einen umfangreichen Überblick über die verfügbaren bildgebenden Methoden geben, welche bei der fokalen Stichprobenentnahme an der Prostata zum Einsatz kommen, um einen Krebsverdacht auszuschließen. Radiologische Methoden in der Therapie von gut- und bösartigen Prostataerkrankungen, sowie Langzeitergebnisse und Komplikationen werden ebenfalls Thema der Session sein, wie auch die Diskussion über die Notwendigkeit von minimal-invasiven diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen.

Die Vorträge sollen auch für RadiologInnen ein Anstoß sein, ihre Herangehensweise bei der Prostatakrebsbehandlung zu verändern, hofft Padhani. „Wir Radiologen müssen uns verändern und dafür müssen wir auch beginnen, anders zu denken. Prostatakrebs ist die letzte Krebserkrankung, bei der bildgebende Methoden nicht die klar führende Rolle in der Diagnose haben. Multi-Parameter MRT ist auf dem Weg, eine Schlüsselrolle in der Diagnose von Prostatakrebs zu spielen, ebenso wie gezielte MRT-geführte Biopsien von Läsionen. Die Erhaltung von Gewebe durch aktive Überwachung und fokale Therapie wird ein wichtiger Schritt gegen die Überbehandlung von Prostatakrebs sein“, so Padhani abschließend.

Seit 4. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 27. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 4. bis 8. März 2015 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 62.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m² mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.
***

Prof. Anwar R. Padhani, Institute of Cancer Research, London, UK


myESR