March 2015


Wien, 5. März, 2015. Screening gewinnt in der Gesundheitsvorsorge immer mehr an Bedeutung, wie eine eigene Professional Challenges Session am European Congress of Radiology, 4.–8. März im Austria Center Vienna, zeigen wird. Vom neuesten Biomarker bis hin zur Genomik und Metabolomik, das Screening von größeren PatientInnen Gruppen wird ein immer wichtigerer Teil der Vorhersage diverser Erkrankungen, führt Professor Norbert Hosten von der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald, Deutschland, Vorsitzender dieser Session am ECR, aus.

So tragen die aus Screening Studien gewonnen Informationen auf unterschiedlichste Art und Weise zum medizinischen Wissen bei, so Hosten: „Zuerst einmal wird die Relevanz der Ergebnisse durch die lange Laufzeit solcher Studien verstärkt und ebenso können die gewonnenen Ergebnisse mit anderen, gewonnen aus z.B. kognitiven Funktionstests, in Verbindung gebracht werden. Das Screening größerer Gruppen oder der Bevölkerung spielt eine große Rolle für die Radiologie, da durch die große Anzahl an PatientInnen die Akzeptanz der wissenschaftlichen Ergebnisse stark ansteigt“.

In Deutschland gib es zurzeit einige große multizentrische Studien wie zum Beispiel die Study of Health in Pomerania (SHIP), in der gesamtgesundheitliche Aspekte in Zusammenarbeit mit Epidemiologen, unter der Verwendung von Ganzkörper MRT Scans, untersucht werden. Darüber hinaus arbeiten die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) an einer gemeinsamen Studie zur Trauma-Bildgebung mit der Zielsetzung, Standardprotokolle für die am besten einzusetzende Bildgebungsmethode zu definieren.

In den Niederlanden wurden bereits in den letzten beiden Jahrzehnten größere Bevölkerungsgruppen bildgebend untersucht, darunter 10.000 bis 15.000 EinwohnerInnen nahe Rotterdam, um herauszufinden, ob Frühanzeichen von neurodegenerativen Erkrankungen identifiziert werden könnten. Als Biomarker konnten lokales Gehirnvolumen, Verteilung und Quantifizierung von Schäden an der weißen Substanz des Zentralnervensystems, subklinische Gehirninfarkte sowie Mikroblutungen identifiziert werden. Ebenso konnte die strukturale und mikrostrukturale Integrität der weißen Substanz des Zentralnervensystems genau festlegt werden, deren Beschaffenheit mit der Entwicklung von leichten kognitiven Beeinträchtigungen bis hin zur vollständigen Demenz einhergeht, lange bevor andere Symptome auftreten.

Screening erweist sich auch im kardiologischen und onkologischen Bereich als hilfreich, wenn es darum geht, Tumoranzeichen, oder andere Erkrankungen wie Leberzirrhose oder Osteoporose frühzeitig zu erkennen. Zurzeit gibt es weitere Studien in Deutschland und Großbritannien, die auch die Frage nach der Verantwortung der RadiologInnen aufwerfen, sollten im Zuge eines Screenings Anomalien gefunden werden.

„Bei traditionellen epidemiologischen Studien kommt es zu keinen Interventionen. Bei radiologischen Screenings wissen die RadiologInnen aber wie ein Tumor der Niere aussieht, wenn sie einen solchen während eines Scans entdecken. Ich denke, wir sind verpflichtet, hier zu intervenieren, aber die große Frage ist, wann machen wir das und wann nicht?“, so Hosten.

Seit 4. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 27. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 4. bis 8. März 2015 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 62.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m² mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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Prof. Norbert Hosten, Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald, Deutschland

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Bilduntertitel:
Bild 1: Das axiale MR-Bild einer 26-jährigen Studienteilnehmerin in FLAIR (fluid-attenuated inversion recovery) Technik zeigt beidseits multiple, asymmetrische, lineare und ovale Signalvermehrungen. Diese sind auf Balken und Septum hin ausgerichtet und damit charakteristisch für die Multiple Sklerose.

Bild 2: Das Kurzachsen-MR-Bild des linken Ventrikels in Phasen-sensitiver Inversion Recovery (PSIR) Technik zeigt bei einem 74-jährigen Studienteilnehmer ein nicht-transmurales subendokariales verzögertes Enhancement. In Zusammenhang mit der Ausdünnung der Ventrikel-Hinterwand spricht der Befund für einen alten Infarkt.

Bild 3: Die T1-gewichtete VIBE-Sequenz (volume interpolated breath-hold examination) bei einem 62- jährigen Studienteilnehmer zeigt einen 21 mm durchmessenden Tumor im rechten LungenOberlappen. Die CT-gesteuerte Biopsie ergab ein nicht-kleinzelliges Karzinom.

Copyright: Alle Bilder zur Verfügung gestellt von Professor Norbert Hosten, Ernst-Moritz-Arndt Universität, Greifswald, Deutschland.


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