February 2016


Prof. Andrea Klauser, Universitätsklinik für Radiologie, Medizinische Universität Innsbruck | 26. Februar 2016

Wien, 26. Februar, 2016 – Lange Zeit stellten Röntgenbilder den Grundstein der Diagnose in der Rheumatologie dar. Röntgenbilder des Hand- und Fußbereiches wurden bei Patienten mit rheumatoider Arthritis zum Beispiel dazu verwendet, um den Zustand der Gelenke oder die Fortschritte in der Nachbehandlung beurteilen zu können. Durch die Verfügbarkeit von wirksamen Medikamenten hat sich der Fokus bei der Behandlung der entzündlichen Arthritis aber stark in Richtung einer möglichst frühen Erkennung und Diagnose verschoben.

Unter entzündlicher Arthritis versteht man eine Gruppe von Erkrankungen, die als gemeinsame Merkmale eine Entzündung der Gelenke und des umliegenden Gewebes aufweisen. Unter anderem fallen hierunter die rheumatische, psoriatische und die juvenile idiopathische Arthritis.

Viele entzündliche Formen der Arthritis sind Autoimmunerkrankungen, bei denen die Genetik eine entscheidende Rolle spielen dürfte, wobei die Forschung aber auch nahelegt, dass zusätzliche Faktoren wie Stress, Rauchen oder Hormone einen Einfluss haben.

Charakteristische Symptome sind Schmerzen, Schwellungen, Wärme und Druckempfindlichkeit der Gelenke, sowie eine Gelenkssteifheit am Morgen, die über eine Stunde andauert. Da die meisten Formen der entzündlichen Arthritis den gesamten Körper betreffen, ist es nicht ungewöhnlich, dass mit der Entzündung zusammenhängende Symptome auch an anderen Stellen des Körpers auftreten.

„Unterschieden werden muss auch von einer infektiösen Arthritis, welche durch einen Keim hervorgerufen wird und die auch Ausprägungen einer rheumatoiden Arthritis zeigen kann, sich allerdings nicht auf ein einzelnes Gelenk beschränkt. Unumgänglich bei jeder Arthritis-Unterscheidung ist die gemeinsame Betrachtung mit klinischem Beschwerdebild und Laborwerten, wodurch eine Zuordnung deutlich erleichtert wird“, so Professor Andrea Klauser, leitende Oberärztin an der Universitätsklinik für Radiologie, Medizinische Universität Innsbruck.

Unabhängig davon, welche bildgebende Methode zum Einsatz kommt, ist es immer wichtig, nach dem sogenannten „joint-as-an-organ“ Konzept vorzugehen, welches das Gelenk als einen „Mikrokosmos“ ansieht, wo alle Entzündungsreaktionen im Rahmen der jeweiligen Arthritisausprägung gewissen Gesetzmäßigkeiten folgen.

Feststellen von Entzündungen durch bildgebende Methoden
Ultraschall und MRT spielen eine wichtige Rolle, da beide Methoden in der Lage sind, akute Entzündungen festzustellen. Farbdoppler Ultraschall ist unter anderem dazu in der Lage, Hypervaskularisation und Entzündungen der inneren Schicht der Gelenkskapsel zu erkennen. Eine entzündliche Arthritis zeigt sich im Power Doppler Ultraschall durch eine Mehrdurchblutung, eventuelle Ergussansammlungen und in späterer Folge durch eine Verdickung des Entzündungsgewebes, welches infolgedessen auch die Gelenke angreifen kann. Eine frühzeitige Diagnostik und damit ein früher Therapiebeginn sind hier von entscheidender Bedeutung, so dass dies verhindert werden kann. Die Magnetresonanztomographie (MRT) hat den zusätzlichen Nutzen, dass sie in der Lage ist, Knochenmarksödeme und subklinische Entzündungsprozesse aufzuzeigen.

„Beide Methoden ermöglichen eine frühere Diagnose von Gelenksentzündungen und zusätzliche Aussagen zu Weichteilentzündungen, die z.B. Sehnen betreffen können, oder die Bildung von Rheumaknoten. Grundsätzlich wird zuerst der Ultraschall eingesetzt, da er schneller verfügbar ist, und mehrere Gelenke in einer Sitzung untersucht werden können. Die MRT sollte reserviert sein für Fragestellungen, die der Ultraschall nicht ausreichend beantworten kann“, so Klauser.

Aufgrund der großen Fortschritte bei Medikamenten ist es zunehmend wichtig, rasch und genau zu überprüfen, ob der erwartete Therapieerfolg auch ausreichend eintritt. Dies ist mittels Ultraschall sehr genau möglich, wodurch eine breitere Anwendung von Ultraschalluntersuchungen zu erwarten ist.

„Weiter sind ultraschall-gezielte Infiltrationen als minimal invasive zusätzliche Therapieoptionen für einzelne aktive Gelenke von großer Wichtigkeit, da dadurch die systemische Therapie nicht immer gleich verändert werden muss, was dem Patienten sehr zugute kommt. Auch ein Entzündungs-Monitoring auf angiogenetischer Ebene (Mikrogefäße) ist mittels Ultraschall und Ultraschallkontrastmittel bereits möglich, was das Potential dieser Methode erahnen lässt“, so Klauser abschließend.

Ab 2. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 28. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 2. bis 6. März 2016 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 63.600 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er eine der größten Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m² mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik vorstellen.


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