October 2016


Dr. Pascal Baltzer, Abteilung für Radiologie, Medizinische Universität Wien | 4. März 2016

Wien, 4. März 2016 – Bei bildgebenden Untersuchungen der Brust kann es, wie allgemein bekannt, gelegentlich zu Fehldiagnosen kommen, die je nach Modalität unterschiedlichen Ursprungs sein können. Insgesamt kann man von Erkennungs- oder Interpretationsfehlern sprechen, die hauptsächlich von der Dichte des Brustgewebes, dem Tumortyp, der Aufnahmetechnologie und den Fähigkeiten des Arztes beeinflusst werden. Wenn man sich die Fehlerquellen bei der Brust-Bildgebung genauer ansieht, stellt man fest, dass manche häufiger auftreten als andere.

Abhängig vom Typ der Untersuchung kommt es vor, dass der Befunder auf einem unterschiedlichen Level hinsichtlich der Mammographie Sensitivität und Spezifität arbeitet, was wiederum Fehldiagnosen bedingen kann. Die Mammographie Sensitivität beschreibt die Richtig-Positiv-Erkennungsrate wobei hingegen die Spezifität die Richtig-Negativ-Rate beschreibt.

Im Rahmen einer Screening Untersuchung ist es zum Beispiel nötig, mit leicht reduzierter Sensitivität zu untersuchen, um akzeptable Spezifität zu erlangen. Hingegen kann bei Patientinnen mit symptomatischen Beschwerden spezifischer ein Augenmerk auf eventuelle bösartige Veränderungen gelegt werden.

Um falsch negative Befunde zu vermindern, muss vor allem in Training und Fortbildung investiert werden, vorliegende Guidelines exakt umgesetzt werden, um das Potential der Mammographie voll auszuschöpfen und, wenn vorliegend, vorherige Aufnahmen immer mit aktuellen verglichen werden.

Die Gefahr von Fehldiagnosen besteht aber nicht nur bei der Mammographie, sondern auch bei der Brust Magnetresonanztomographie, einer Methode, die Aufgrund ihrer Sensitivität und Spezifität auf dem Vormarsch ist. Hierbei resultiert das Fehlerpotential vor allem aus den hohen technischen Anforderungen und der fehlenden Expertise bei der Befundung von Brust MRTs. Faktoren, die hier einen Einfluss haben, sind unter anderem die Fettsättigung zur Unterdrückung von Signalen, welche vom Fettgewebe zurückgeworfen werden, eine hohe räumliche Auflösung und die möglichst rasche Durchführung von Post-Kontrast-Sequenzen.

Jeglicher MRT Befund, der eine höhere BI-RADS Klasse als 2 aufweist, muss mit einer Follow-Up Biopsie untersucht werden. Das Breast Imaging Reporting and Data System (BI-RADS) ist ein Standard des American College of Radiology (ACR) zur Durchführung und Befundung von Mammographien, bei welchem ab einer Stufe von über 2 der Verdacht auf eine maligne Veränderung vorliegt. Die Biopsie kann ebenfalls per MRT erfolgen, was aber oft nicht möglich ist, da der untersuchende Radiologe keine Biopsie Einheit zur Verfügung hat und diese Methode auch sehr kostenintensiv ist, so Dr. Pascal Baltzer von der Abteilung für Radiologie an der Medizinischen Universität Wien.

Auch bei einem Ultraschall im Anschluss an eine MRT Untersuchung (Second Look Ultrasound) der Brust können Fehldiagnosen auftreten. „Die nächste Methode, die nun in Frage kommt ist der Ultraschall, welcher günstig und fast überall verfügbar und ebenso leicht durchzuführen ist, da man ja bereits von der MRT Untersuchung weiß, wo exakt sich die Läsion befindet. Außerhalb von wissenschaftlichen Publikationen wird oft nicht differenziert zwischen Ultraschall und Second Look Ultraschall, aber bei der Brust sind die meisten Ultraschall Untersuchungen genau auf vorherige mammographische oder klinische Befunde ausgerichtet“, so Dr. Baltzer weiter.

Dr. Baltzer erwartet einen Anstieg bei der Verwendung von Second Look Ultraschall, einerseits um festzustellen, ob Läsionen höher oder niedriger auf der BI-RADS Skala klassifiziert werden können, und ob die Nachbetreuung von im MRT gefundenen Läsionen mit Ultraschall möglich ist. Allerdings ist die empirische Datenlage nicht ausreichend und das trotz der hohen Zahl an Untersuchungen, die durchgeführt werden, so Baltzer.

„Ich denke, das liegt daran, dass es leichter ist, Daten für angesagte Themen wie zum Beispiel der diffusionsgewichteten Magnetresonanztomographie zu sammeln und zu veröffentlichen, welche eine hilfreiche, aber eben auch nur ergänzende Technik darstellt, und im Vergleich zum Second Look Ultraschall wissenschaftlich deutlich überrepräsentiert ist. Der Ultraschall nach einer Brust MRT sollte Praxis in jeglicher Einrichtung sein“, so Baltzer.

Seit 2. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 28. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 2. bis 6. März 2016 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 63.600 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er eine der größten Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m² mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik vorstellen.


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